In letzter Zeit geschehen merkwürdige Sachen. Die Medien zeigen von Kopf bis Fuß verhüllte Frauen, Pierre Vogel ist ein Mensch bei Maischberger und ein guter Freund schreibt mir, dass seine Toleranz langsam zu Ende geht. Ich frage mich, was hat das alles zu bedeuten?
Fakt ist, dass dieser Prozess in mir ein Unwohlsein auslöst. Ich merke, wie ich langsam aber sicher in die Enge treibe. Es ist nicht einfach, wenn plötzlich ein Teil von mir auf dem medialen Esstisch serviert wird. Jeder interessiert sich für den meinen Glauben. Ist das positiv?
Die Debatte dreht sich alles in allem um die in Deutschland lebenden Muslime, ihre politische Einstellungen, ihr Leben und ihr Engagement. Die Medien zeigen Frauen mit Burkas, fragen nach der Steinigung oder der Zwangsehe im Koran. Die Antworten die in der Gegend rumschwirren jedoch, befriedigen niemanden. Der Nichtmuslim will eine klareres Bekenntnis zur Demokratie und der Muslim die freie Entscheidung, auf welche Art und Weise er sich anpasst.
Auffällig oft werden scheinbare Konflikte zwischen dem Koran und den westlichen Werten diskutiert. Die Frage, die unterschwellig stets gestellt wird ist folgende: „Müsst ihr euer Leben nach dem Koran richten. Er ist doch auch nur Menschenwerk.“ Und genau dieser Ausdruck verleiht der Diskussion eine Sprengkraft, die in der Lage ist eine Diskussion in ihren Grundpfeilern zu vernichten. Einerseits gibt es die Freiheit der Meinung, andererseits jedoch die Freiheit des Glaubens. Genau wie Menschen in der Lage sind so eine Frage zu stellen, haben Menschen die Freiheit den Islam nach dem Koran auszuleben. Entscheidend ist nur, dass die Freiheit des anderen nicht eingeschränkt wird.
Millionen Menschen starben, bis wir uns diese Freiheiten in Mitteleuropa erkämpfen konnten. Heute sind unsere Grundrechte „heilig“ und unantastbar.
Jedoch sollten wir uns bewusst sein, dass alle Freiheiten ihre Grenzen haben. Und zwar genau da, wo eine andere Freiheit angetastet wird. Genauso wie man nicht jede Meinung in Deutschland vertreten kann, so kann man auch nicht jeden Glauben ausleben. Eine Religion die verpflichtet, dass Frauen gesteinigt und zwangsverheiratet werden gehört nicht nach Deutschland. Diesem Satz sollte jeder gläubige Muslim, der nach dem Koran lebt, zustimmen. Warum? Weil Muslime verpflichtet sind, sich an die Gesetze in dem jeweiligen Land zu halten.* Es fällt also auf, dass der der Koran und unser Prophet genau wie für vor Hunderten von Jahren, auch für die heutige Situation die geeigneten Worte finden, um uns den Weg zu weisen. Jedoch zu unterstellen, dass der Koran ein Menschenwerk ist und dass das Leben nach dem Koran mit den heutigen Werten nicht vereinbar ist, stellt einen Angriff auf ein Heiligtum dar. Dies ist meiner Ansicht nach als Einschränkung der Glaubensfreiheit zu werten.
Richtig ist, dass Frauen in vielen Familien aus dem nahen Osten unterdrückt werden. Dies hängt jedoch nicht mit Religion, sondern mit dem Bildungsstand zusammen. Es ist auch richtig, dass viele Straftäter aus dem nahen Osten kommen. Doch auch ihre Vergehen haben nichts mit dem Glauben zu tun. Der Koran verbietet das Brechen von Gesetzen, egal in welchem Land! Und mit Rechten sind wohlgemerkt auch Frauenrechte gemeint!
Oft hört man noch jedoch die Frage: „Wenn ihr könntet, würdet ihr nach der Scharia leben?“
Die Antwort ist so einfach wie auch deutlich: Ja. Denn wir leben bereits nach der Scharia. Wenn der Koran uns die Freiheit gibt, uns an das deutsche Recht anzupassen, dann nehmen wir das wahr und passen uns der islamischen und deutschen Scharia (=Recht) zu gleich an.
Toleranz spielt in dem ganzen Prozess die wichtigste Rolle. Deshalb darf sie auch nie zu Ende gehen. Geht sie mal auf null, so ist das ein Zeichen, dass sich extreme Gedanken und Vorstellungen breit machen. Diese Erkenntnis kann man gerade aus den Medien und dem Nicht Muslimischen Umfeld gewinnen. Mir persönlich bereitet das große Sorge. Denn was passiert wenn die Toleranz verschwindet???
Fortsetzung folgt…
*siehe Buhari, 7137 – Müslim 1835



