Sarrazin “mania” – Sprachrohr bis Demagoge -
Neuerdings stelle ich mich folgende Frage.
Was denken Menschen die über oder von Sarrazin lesen.
Eine empirische Ausarbeitung habe ich nicht zur Hand. Jedoch kann man eine gefühlte Tendenz feststellen.
Ein starker Bezug zu den Inhalten von Herrn S. wird hergestellt über die mediale Aufarbeitung des Themas. Die breite Medienpräsenz führt zu einer Neugier in großen Teilen der Bevölkerung. Durch die ganze Gesellschaft hindurch besteht ein Interesse an der Debatte. Unter den Interessierten sind sowohl direkt Betroffene, als auch jene, die keine Erfahrungen mit Migranten haben.
Die Herangehensweise an das Thema kann man in zwei Positionen trennen.
Einerseits gibt es diejenigen, die grundsätzlich gegen jede öffentliche Problemansprache und Diffamierung sind. Sie sehen das aktuelle “Multikulti” Gefüge durch Sarrazin bedroht und wollen möglichst in “Ruhe” leben. Für sie stellt Sarrazin den Beginn einer nationalistischen (Denk-) Bewegung im 20 Jahrhundert in Deutschland dar. Zu dieser Gruppe zählen Migranten, Migrantenselbstorganisationen, Integrationspolitiker der Parteien, Linke und Grüne.
Andererseits ist Sarrazin für eine andere Gruppe das hoch ersehnte ”Sprachrohr”. “Endlich sagt mal einer die Wahrheit” hört man in diesen Tagen oft aus dieser Ecke. Dieser Teil der Bevölkerung will die aktuell bestehenden Probleme “endlich” auf den Diskussionstisch bringen und Beteiligte zur Rechenschaft ziehen. Sie haben “genug” von gutgläubiger Mutlikulti Politik. Es soll stärker auf Sanktionen gesetzt und minder gebildete Zuwanderung gestoppt werden. Zu dieser Gruppe zählen große Teile der beiden Volksparteien, ein Großteil der deutschstämmigen Bevölkerung und die meisten Medien im Land.
Das Lesen der Thesen von Herrn Sarrazin ist eng verflochten mit der Voreinstellung, die der Mensch bereits in sich trägt. Wer dem Thema gegenüber gut eingestellt ist, der wird die Thesen eher ungern beachten. Wer dagegen eine Gefahr oder Probleme im muslimischen Leben sieht, der wird Gefallen an Sarrazin finden.
Das es derartige Voreinstellungen gibt, mag wohl niemand mehr bestreiten. Gemäß der Einstellung wird auch das Ergebnis dieser Diskussion, einen Weg im Verhalten der Menschen einschlagen.
Festhalten könne wir, dass Herr S. die bereits bestehenden Merkmale in den Gedanken der Menschen bedient. Entweder erweckt er Jubel und Freude oder aber Wut und Hass. Alles in allem spaltet sich die Gesellschaft. Hinzu kommt, dass sich noch andere “Parteien” der Diskussion bedienen, um ihr Profil zu schleifen.
Ich für meinen Teil sehe eine Art Entscheidungsknoten in dieser Debatte. Ist der Knoten die Gesellschaft, so reicht ein Zug nach rechts oder links um den Knoten zu lösen. Und am Ende bedarf es mehr Kraft um den Knoten wieder herzustellen.
Der These, dass minder qualifizierte Muslime ein Problem für die Gesellschaft sind stimme ich zu. Mit einer Bedingung: Diese Menschen müssen im Kontext der ganzen Welt gesehen werden. Leben diese Menschen nicht bei uns, so leben sie in Afrika, Nahem Osten oder sonst wo. Jedenfalls noch in diesem Universum.
Oder ändert sich Ihre Qualifikation, wenn sie wo anders leben?


